DGzRS - Seenotretter - Überführung der John T. Essberger

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Seenotkreuzer JOHN T. ESSBERGER jetzt im Museum begehbar

Seit Juni wurde gebaut, wieder eingerichtet und gemalt – alles, was unterwegs aus Gewichtsgründen von Bord genommen wurde, ist wieder an Ort und Stelle verstaut, der Mast wurde wieder aufgerichtet, Tochterboot ELSA liegt wieder in der – geöffneten – Heckwanne.

Die JOHN T. ESSBERGER ist heute im „Technik Museum Speyer“ als Exponat eröffnet worden. Damit ist sie fast bis in den kleinsten Winkel für die Museumsbesucher zu begehen. An Bord herrscht eine Stimmung, als hätte die Besatzung das Schiff gerade nur für einen Augenblick verlassen. Die Töpfe stehen auf dem Herd, die Seekarte ist auf der Brücke ausgebreitet, auf dem Tisch liegt ein Buch. Man meint, der Seenotkreuzer könnte jederzeit wieder zum Einsatz auslaufen.

Museumsleiter Hermann Layher und DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder gaben die JOHN T. ESSBERGER unter großem Applaus der zahlreichen Zuschauer heute gemeinsam zur Besichtigung frei.

In den vergangenen Monaten hat die Museumsmannschaft rein Schiff gemacht und die JOHN T. ESSBERGER Stück für Stück für die Besucher hergerichtet: Mutterschiff und Tochterboot erhielten einen neuen Anstrich. Alle während der Überführung getrennt transportierten Ausrüstungsteile sind wieder an ihrem Platz.

Von der Brücke über das Bordhospital und die Kammern der Rettungsmänner bis zum Maschinenraum gibt es Eindrücke vom früheren Arbeitsalltag an Bord. Tochterboot ELSA scheint gerade vom Einsatz zurückzukehren, soeben „fährt“ es in die Heckwanne. Die Szene ist gut gelungen: ELSA ragt (an Ketten hängend) ein Stück aus der geöffneten Heckwanne des Seenotkreuzers heraus.

Zeitgleich zur Eröffnung seines neuesten Exponats gibt das Museum das Buch „Seenotkreuzer auf seiner letzten Reise“ heraus. Es enthält die Texte und viele Fotos dieser Website. Das Buch ist zum Preis von 6,95 Euro (inkl. ein Euro zugunsten der DGzRS) im Museum und in dessen Onlineshop (shop.technik-museum.de) erhältlich. Ein Film über die letzte Reise der JOHN T. ESSBERGER ist in Vorbereitung.

Förderer der DGzRS bekommen im „Technik Museum Speyer“ Rabatt: Erwachsene wie Kinder zahlen für den Museumseintritt zwei und für das IMAX-Filmtheater einen Euro weniger als regulär. Das Kombiticket ist jeweils 1,50 Euro günstiger. Die Rabatte werden auch auf die günstigeren Gruppentarife angerechnet.

Letzte Interviews für Sven-Eric Carl, der im Freitörn zu Besuch gekommen ist. Längst hat er das Kommando auf dem Seenotkreuzer BREMEN übernommen.
An der Küste von Nord- und Ostsee geht das Bordleben der Seenotretter weiter.

Einsatzbereit an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Und auf der Station Großenbrode heißt es jetzt über Funk: „Seenotkreuzer BREMEN hört. Wir kommen!“


Sonntag, 29. Mai 2011

Feierliche Schlüsselübergabe der JOHN T. ESSBERGER im Museum am 146. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

In einer kleinen Feierstunde wird bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein der Schlüssel zur JOHN T. ESSBERGER von Vormann Sven-Eric Carl an den technischen Leiter des Museums, Holger Hamann, übergeben.

Für das Museum ist die JOHN T. ESSBERGER ein großer Gewinn, so Museumsleiter Hermann Layher, und er betont in seiner Rede "Wir freuen uns, einen der größten Seenotkreuzer Deutschlands in Zukunft als Exponat in unserem Museum zeigen zu können. Der DGzRS möchten wir für die gute Zusammenarbeit ganz herzlich danken." Gemeinsam mit dem Vorsitzer der DGzRS, Gerhard Harder, eröffnet er eine kleine Sonderausstellung, die bis Ende Juni im Museum zur Geschichte der DGzRS gezeigt wird. Beide danken in ihre Reden allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.

Hermann Layher hält zum 146. Geburtstag der DGzRS noch zwei Überraschungen bereit. Von jetzt an können alle Förderer der DGzRS gegen Vorlage ihres Förderausweises zu ermäßigtem Eintritt das Technik Museum Speyer besuchen.
Und während die Marinekameradschaft Speyer ein Geburtstagsständchen spielt, wird eine riesige Torte hereingetragen – dekoriert mit einem großen Bild der JOHN T. ESSBERGER.

Auch Bürgermeisterin Monika Kabs von Speyer und Dr. Günter Köpke, erster Vorsitzender des Fördervereins Auto und Technik Museum e.V. betonen ihre Freude darüber, dass der Seenotkreuzer gut in Speyer angekommen ist.

Im Eingangsbereich des Museums lockt die „Schiffmodellbaugruppe der DGzRS Frankfurt am Main“ durch ihre Vorführungen detailgetreuer funktionsfähiger Seenotkreuzermodelle im Wasserbecken zahlreiche Zuschauer an.
In nächster Zeit wird die JOHN T. ESSBERGER an ihrem letzten Liegeplatz wieder vollständig ausgerüstet. Alles, was in Duisburg von Bord genommen wurde, Schleppleinen, Werkzeug usw. kommt zurück an seinen Platz, und der Mast wird wieder montiert. Voraussichtlich ab September können die Museumsbesucher die JOHN T. ESSBERGER betreten und endlich bis in jeden Winkel erkunden.

Als schon beinahe die Sonne untergeht und die Zuschauer fort sind, steht immer noch eine kleine Gruppe an der JOHN T. ESSBERGER. Die Besatzungsmitglieder verabschieden sich endgültig von ihrem Schiff.

***

Herzlichen Dank an das gesamte Team des Technik Museums Speyer, an die Kübler-Spedition, Michelfeld-Erlin, Van der Wees, Dordrecht, Kranunternehmen Scholpp, Heilbronn, und alle Beteiligten für den erfolgreichen Transport nach Speyer. Wir danken auch unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in vielen Städten die Zuschauer engagiert und begeistert über den Transport informiert haben. In Speyer ein herzlicher Dank an das THW, die Polizeiinspektion Speyer, die Stadtverwaltung und die Freiwillige Feuerwehr Speyer. Herzlichen Dank auch an alle unsere Fotoreporter, die diese Seite mit großartigen Aufnahmen bereichert haben – und an alle, die uns bei dieser letzten Reise der JOHN T. ESSBERGER begleitet haben.

Ein besonderer Dank an Thomas Seeliger / SIT-Livecam (Heilbronn), der die Webcam zur Verfügung gestellt hat und an die Leute vom Team www.kurs-speyer.de, die uns diese Website geschenkt haben: Ralf Kohfeld und Petra Ehlers von ehlers//kohfeld, Jörg Stöber und Patric Wehlmann von eScriptum, Jan Schreiber von CIONIX (alle Berlin) und Klaus Westermann, Fotostudio Klaus Westermann  (Hamburg).
Ralf, Petra, Jörg, Patric, Jan, Sven und Klaus: DANKE!

***

Bilder: 1. DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder und Museumsleiter Hermann Layher 2. Hermann Layher  3. Vormann Sven-Eric Carl übergibt den Schlüssel des Seenotkreuzers an den technischen Leiter Holger Hamann 4. JOHN T. ESSBERGER-Crew, von links: Hergen Gloystein, Hans Bügge-Mau (der die gesamten 36 Jahre auf dem Seenotkreuzer im Dienst war), Michael Moritz, Uwe Teloy, Holger Freymuth, ehemaliger Vormann, Vormann Sven-Eric Carl, Gerd Lemke, ehemaliger Vormann, Norbert Bury, ehemaliger Vormann und Gerhard Harder, DGzRS-Vorsitzer. 6.- 8. Geschichten am Rande: Nikola Totev sieht die JOHN T. ESSBERGER in Ludwigshafen zum ersten Mal und fährt dann beide Tage mit dem Fahrrad nach Speyer, um die Ankunft und Feier zu erleben. Das Ehepaar Sonntag lernte sich vor 20 Jahren durch die DGzRS kennen: Sie stellte ein Sammelschiffchen auf, er kam als ehrenamtlicher Mitarbeiter der DGzRS, um es zu leeren. Petra Hartenstein aus Speyer trifft nach über 30 Jahren ihren Retter: Als Kind wurde sie mit ihren Eltern von Gerd Lemke und seiner Besatzung mit der JOHN T. ESSBERGER aus Seenot gerettet.


Sonnabend, 28. Mai 2011

Die JOHN T. ESSBERGER ist im Technik Museum Speyer angekommen!

Ab acht Uhr gehen die Vorbereitungen weiter. Wesentlich ist das Verzurren des Seenotkreuzers auf dem Tieflader.
Zwei Schwerlastzugmaschinen von Daimler mit je 600 PS, Spezialumbauten von Titan, werden vorgespannt. Insgesamt misst der Transport der JOHN T. ESSBERGER 51 Meter. Ein kleines Stück in den Wald sind Aluminiumplatten verlegt, um das schwierige Wendemanöver nach dem Roll-Off zu ermöglichen.

Beim Startzeichen beginnt sich der Tieflader langsam zu bewegen. Da der Lastenponton schwimmt, muss während der gesamten Abladeaktion mit Wasserballast der sich verändernde Schwerpunkt ausgeglichen werden. Viele Pausen sind notwendig, in denen die Fachleute die Technik mit allergrößter Sorgfalt überprüfen und kontrollieren. Jede größere Unebenheit muss von den Achsen ausgeglichen werden, damit der auf dem Tieflader liegende Seenotkreuzer den geringstmöglichen Bewegungen ausgesetzt wird.

Das Wendemanöver im kleinen Vorhafengebiet ist von Heinz Rößler, Fahrer Frieder Saam und dem Team vorausberechnet, die Fahrbewegungen exakt geplant. Inzwischen bietet die JOHN T. ESSBERGER, die nun endgültig ihr angestammtes Element verlassen hat, einen imposanten Anblick in den hohen Waldbäumen.
Bevor das allerletzte Wegstück über Land beginnt, werden mit einem Kran alle anwesenden DGzRS-Besatzungsmitglieder und per Arbeitskorb auf dem Hubschrauberarbeitsdeck nieder gelassen – sie verbringen diesen Teil der Reise an Bord.

Alle Straßen zum Naturhafen Speyer sind abgesperrt. Das THW Speyer und die Polizei sichern die Zuschauerstrecke. Als der Waldweg erfolgreich passiert ist, muss der Rheindamm, ein kleiner Wall, überquert und auf die Straße abgebogen werden. Für einen Transport dieser Art ist dies eine der Stellen, die auf den Meter exakt gefahren werden müssen, während das Technik-Team immer wieder über Funk Daten abgleicht. Die Neigung des Seenotkreuzers auf dem Tieflader darf drei Grad nicht überschreiten. Knappe zwei Stunden dauert der Transport zum Museum, der im Schritt-Tempo zurückgelegt wird.

An der Feuerwache, Ecke Industriestraße/Heinkelstraße kommt der engste Punkt: Beinahe scheint es, als ob die Zuschauer auf den Balkonen der Besatzung und dem Team des Technik Museums am Bug des Seenotkreuzers die Hand schütteln können. Der 12,30 Meter hohe Transport wird souverän durch die Kreuzung bugsiert. Einige Straßenschilder werden kurzfristig abmontiert. Auf den letzten Metern zum Gelände des Technik Museums wird die Zugmaschine umgespannt, eine letzte Schräge zum Gelände wird erfolgreich passiert.

Dann tosender Applaus der Zuschauermenge: Die JOHN T. ESSBERGER ist am Technik Museum Speyer angekommen.

Bilder: 1. Naturhafen Speyer 2. Blick auf den Rhein 3. Das THW wartet auf den Einsatz 4. Roll-Off 5./6. Kontrolle 7.-9. Fahrt durch den Wald 10.-12. Kreuzung Industriestraße/Heinkelstraße 15. Museumsleiter Hermann Layher und Heinz Rößler, Kübler-Spedition 16. im Hintergrund der Dom zu Speyer 17. Das ganze Team des erfolgreichen Transports auf dem Gelände des Technik Museums in Speyer: Technik Museum Speyer, Kübler-Spedition, Van der Wees, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und das Team Kurs-Speyer mit Vormann und Besatzung der JOHN T. ESSBERGER.


Freitag, 27. Mai 2011

Von Ludwigshafen bis ans Ziel auf dem Rhein: Der Naturhafen Speyer wird erreicht

Gegen acht Uhr heißt es zum letzten Mal „ablegen“. Der Schubverband mit der JOHN T. ESSBERGER verlässt den Liegeplatz unter der Kurt-Schumacher-Brücke in Ludwigshafen und läuft mit zehn Knoten Fahrt weiter stromaufwärts zum letzten Hafen dieser langen Reise, die in Großenbrode vor 25 Tagen begonnen hat.

Einige Kilometer hinter dem kleinen Ort Altrip beginnt eine der größten Rheinauen, die noch regelmäßig zu einem Großteil vom Rheinhochwasser überschwemmt wird. An den Armen des Altrheins, der hier an den großen Strom angeschlossen ist, befindet sich die Ketscher Rheininsel mit einem der letzten natürlichen Silberweiden-Wälder.

Kurz nach der Autobahn-Brücke der A 61 grüßt der Dom zu Speyer mit seinem Anblick den Neuankömmling. Seit 1981 gehört diese älteste erhaltene romanische Kirche zum UNESCO-Kulturerbe. Ein Schiff des „Technik Museums Speyer“ fährt der JOHN T. ESSBERGER entgegen und begleitet sie auf den letzten Kilometern zum Ziel.

An der Einfahrt zum Naturhafen Speyer im Berghäuser Altrhein, der einige Kilometer hinter der Stadt in Wäldern versteckt gelegen ist, wirft der Schlepper „Rheinland“ die Leinen los. Das Schubschiff manövriert den Lastenponton mit der JOHN T. ESSBERGER Meter für Meter in die Einfahrt. Nur noch ein winziges Stück muss zurückgelegt werden. Ganz langsam tastet sich der Kapitän vorwärts. Die Besatzung steht auf dem Ponton und überprüft mit einer einfachen Stange, die mit Markierungen versehen ist, einer sogenannten „Stakstange“, die Wassertiefe. Fingerspitzengefühl ist am Steuer notwendig, um den Seenotkreuzer-Ponton in der schmalen Zufahrt nicht auf Grund zu setzen.

Um 12.13 Uhr ist es geschafft: Der Schubverband mit der JOHN T. ESSBERGER liegt fest.

Unsere JOHN T. ESSBERGER - von manchen schon Mal als "Schwan der Ostsee" bezeichnet - wird von vielen Menschen - und von zwei Schwänen - an dem kleinen Hafen begrüßt.

Während die Zuschauer immer wieder auf die Kameraauslöser drücken, geht die Arbeit sofort weiter. Ein Kran ist bereits in Position gebracht, und es wird damit begonnen, eine RoRo-Rampe (RoRo = Roll on Roll off) aus Stahlträgern zum Lastenponton zu verlegen.

Die JOHN T. ESSBERGER steht auf zwei vier Meter breiten Querträgern, die mit dem gesamten Schiff über Trafoheber hydraulisch angehoben werden. Der Vorgang ist zeitaufwändig, denn er muss in millimetergenauer Übereinstimmung an allen vier Punkten erfolgen.
Erst dann kann der Tieflader über die RoRo-Rampe unter den Seenotkreuzer fahren. Die 26 Achsen haben teilweise einen eigenen Antrieb. Zu dem Gewicht der JOHN T. ESSBERGER kommen pro Achse noch einmal 3,6 Tonnen hinzu, die am nächsten Tag über die Rampe abrollen müssen. Die Kübler-Spedition hat große Erfahrung mit ungewöhnlicher Ladung und hält selbst zahlreiche Patente im technischen Bereich für Schwerguttransporte. Der Seenotkreuzer-Transport ist dennoch außergewöhnlich: Eine Ladung mit vergleichbarer Höhe hatten sie noch nie, berichtet Geschäftsführer Heinz Rössler. Mit dem Tieflader ist der Transport 12,30 Meter hoch.

Um 22.30 Uhr ist der größte Teil der Vorbereitung abgeschlossen. Der Roll-off ist für morgen am späten Vormittag geplant.

Bild 13: Hanne und Heinz Rössler von der Kübler-Spedition mit Frieder Saam, der den Transport an Land fährt und ihrem Projektkoordinator Nikolaus Grimme. Bild 18: Die Freiwillige Feuerwehr Speyer kommt während einer Kontrollfahrt vorbei. Letztes Bild: Um 21 Uhr trifft Vormann Sven-Eric Carl ein, der seine JOHN T. ESSBERGER bis Duisburg gebracht hatte. Von Michael Walter, Geschäftsführer Technik Museum Speyer und Werkstattleiter Holger Hamann wird er über den Landtransport informiert.


Donnerstag, 26. Mai 2011

Von Budenheim (bei Mainz) bis nach Ludwigshafen

Um 8 Uhr heißt es „Anker auf“ in Budenheim. 1500 Tonnen Wasserballast sind in den Schwimmponton gepumpt worden. Er taucht jetzt tiefer ein – wir brauchen die geringere Ladehöhe, um unter den niedrigen Mainzer Brücken hindurch zu kommen.
Die Schiersteiner Brücke, die Kaiserbrücke und die Theodor-Heuss-Brücke sind nun kein Problem mehr. Der starke Wind erfordert Vorsicht und das ganze professionelle Können der erfahrenen Kapitäne- von Schlepper und Schubschiff, um den Verband durch die schmalen Brückendurchfahrten zu manövrieren. Die JOHN T. ESSBERGER bietet dem Wind eine große Angriffsfläche. Der Ponton mit dem Seenotkreuzer wird exakt auf Position halten. Das erfordert Erfahrung und Können. Nicht ohne Grund spricht man von „Steuermannskunst“.
Schon einmal unterquerte ein Seenotkreuzer die Theodor-Heuss-Brücke in Mainz: Am Dienstag, dem 31. März 1987, befand sich der 23 Meter lange Seenotkreuzer THEODOR HEUSS auf dem Weg ins Deutsche Museum München. Auf eigenem Kiel ging es seinerzeit bis Nürnberg und von dort in einem spektakulären Landtransport weiter bis in die bayerische Landeshauptstadt.
Schließlich ist auch die Brücke in Weisenau passiert. Während der Fahrt kann der vor der Stadt aufgenommene Wasserballast abgelassen werden. Bis zum Ziel in Ludwigshafen bei Mannheim sind trotz des geringen Wasserstandes keine größeren navigatorischen Schwierigkeiten mehr zu bewältigen.
In der Nibelungen-Stadt Worms passiert die JOHN T. ESSBERGER das Standbild von Hagen, der Gestalt aus den Nibelungensagen, eines Gefolgsmannes des Burgunderkönigs Gunter in Worms, der hier den Schatz der Nibelungen in den Rhein geworfen haben soll. Auch die Nibelungenbrücke wird passiert.
Gegen 19 Uhr endet der Tag auf dem Rhein am Handelshafen Ludwigshafen, direkt vor der Kurt-Schumacher-Brücke bei Rhein-Kilometer 426.
Schlepper-Kapitän Hans Maisolle zieht am Ende des Tages Bilanz: „Bis auf den relativ starken Wind - alles ohne Probleme.“

Bild 1-4: Mainz, 5: Museumsleiter Hermann Layher in Worms, 6-10: Worms an der Nibelungenbrücke, 11-12: Ludwigshafen, 13. Schlepperkapitän Hans Maisolle, 14-15: Ludwigshafen


Mittwoch, 25. Mai 2011

Durchs obere Mittelrheintal: Deutsches Eck, Loreley, Pfalz bei Kaub, Binger Mäuseturm
Die JOHN T. ESSBERGER fährt heute „ins Gebirge“: Der Seenotkreuzer ist durchs obere Mittelrheintal unterwegs. Er passiert am Vormittag bei Koblenz die Feste Ehrenbreitstein und das bekannte Deutsche Eck.

Wieder ist die Feuerwehr zur Stelle: Der Koblenzer Schiffsführer des Löschbootes „RPL 1“ (30 Meter, 2 x 1000 PS, 2 Monitore à 6000 Liter/Minute, erbaut 1972), Oberbrandmeister Lutz Kimpel, hat die JOHN T. ESSBERGER zuvor in Neuwied abgeholt und begleitet sie mit „Wasser aus allen Rohren“ durch Koblenz bis Boppard.

Unterwegs fließen Mosel und Lahn zu. Von den Höhen grüßen Schloss Stolzenfels und Burg Lahneck, wenig später die Marksburg, die „feindlichen Brüder“ Ruine Sterenberg und Ruine Liebenstein, die Burgen Maus und Katz, gegenüber die Ruine Rheinfels und schließlich hinter Sankt Goarshausen die berühmte Loreley.

Dann kommen – mitten im Strom – die Pfalz bei Kaub und in Höhe der Nahe-Einmündung der Binger Mäuseturm in Sicht. An vielen Stellen ist deutlich zu sehen, wie wenig Wasser der Rhein führt. Auf eigenem Kiel hätte die JOHN T. ESSBERGER angesichts des unvorhersehbaren extremen Niedrigwassers dort nun nicht fahren können. Doch der flachgehende Ponton-Verband hat nirgendwo Probleme.

Vor Budenheim nahe Mainz wird für die Nacht geankert. Die Ballastierung beginnt: Der Ponton nimmt 1500 Tonnen Wasser auf, um 50 Zentimeter tiefer zu liegen. Am nächsten Morgen müssen in Mainz vier niedrige Brücken passiert werden.

Am Budenheimer Fährhaus haben sich viele Schaulustige eingefunden, darunter auch der achtjährige Hendrik Pohl aus Mainz-Ebersheim: Er hat ein Abschiedsporträt der JOHN T. ESSBERGER gemalt. Die Seenotretter finden: Er hat sie wirklich gut getroffen!

Die Fotos des Tages zeigen folgende Orte:
Koblenz, Deutsches Eck, 11.25 Uhr – Koblenz, Feste Ehrenbreitstein, 11.30 Uhr – Braubach, Marksburg, 12.55 Uhr – Osterspai, Weinberge, 13.15 Uhr – Gedeonseck, Rheinschleife, 13.30 Uhr – Boppard, 13.40 Uhr – Feindliche Brüder, 14.15 Uhr – Sankt Goar und Loreley-Statue, 15.00 Uhr – Loreley-Felsen, 15.10 Uhr – Loreley-Schleife, 15.20 Uhr – „Hungersteine“, 15.25 Uhr – Oberwesel, Sandbank, 15.30 Uhr – Kaub, Pfalz, 16.10 Uhr – Lorchhausen, 16.40 Uhr – Lorch, 16.55 Uhr – Bingen, Mäuseturm, 18.10 Uhr – Budenheim, Ankerplatz im Strom, 20.30 Uhr, mit Seenotretter-Fan Hendrik Pohl (8)


Dienstag, 24. Mai 2011

Von Krefeld bis Rolandseck, vorbei an Kölner Dom, Bundeshaus und Drachenfels
Heute passiert die JOHN T. ESSBERGER auf ihrem Ponton viele geschichtsträchtige Orte. Um kurz vor 8 Uhr ist die Düsseldorfer Rheinkniebrücke erreicht. Der Verband kommt mit fast zehn Kilometern pro Stunde etwas schneller als erwartet voran, weil die Strömung schwächer als angenommen ist.

Gegen 13.25 Uhr haben viele Hobbyfotografen ein besonders begehrtes Motiv im Sucher: die JOHN T. ESSBERGER vor dem Kölner Dom. Die guten Fotoplätze am Kennedyufer und auf der Deutzer Brücke haben sich herumgesprochen.

Gleich zwei Mal „großer Bahnhof“: Die Feuerlöschboote „Hydra“ (Köln) und „Bonn“ fahren der JOHN T. ESSBERGER jeweils ein Stück entgegen und geleiten sie mit Wasserfontänen aus ihren Monitoren durch die Altstädte. Die „Hydra“ (36 Meter, 2 x 1000 PS, 2 Monitore à 6000 Liter/Minute) aus dem Jahr 1963 ist noch zwölf Jahre älter als der Seenotkreuzer. Die „Bonn“ (20 Meter, 2 x 650 PS, 2 Monitore à 4800 Liter/Minute) ist seit 1982 im Dienst.

Die beiden „Rendezvous“ auf dem Fluss haben der Kölner Schiffsführer, Hauptbrandmeister Torsten Stein, und der Bonner Brandoberamtsrat Albert Lehmann mit viel persönlichem Einsatz schnell und unbürokratisch organisiert. Wir danken herzlich für den tollen Empfang in beiden Städten!

Dem Land-Team der DGzRS schlägt überall viel Sympathie für die Seenotretter entgegen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind an den stark frequentierten Uferplätzen stets mit einem kleinen Infostand zur Stelle, kurz bevor die JOHN T. ESSBERGER „on scene“ ist.

Am Abend macht der Verband erstmals im neuen Heimatland des Seenotkreuzers Halt: Auf Höhe von Bad Honnef wird bereits auf rheinland-pfälzischer Seite vor Rolandseck geankert. Die Landesgrenze verläuft genau in der Flussmitte. Wieder sind viele Schaulustige zur Stelle..

Die Fotos des Tages zeigen folgende Orte:
Düsseldorf, Rheinkniebrücke, 7.45 Uhr – Köln, Dom, 13.25 Uhr – Bonn, Brassertufer/Alter Zoll, ehrenamtlicher Mitarbeiter Manuel Miserok im Gespräch mit Passanten – Bonn, Kennedybrücke, 16.55 Uhr – Bonn, Bundeshaus mit „Langem Eugen“ und „Post-Tower“, 17.10 Uhr – Oberkassel, Basaltsteinbruch „Albert“, 17.30 Uhr – Petersberg, Gästehaus der Bundesregierung und Fähre Königswinter/Bad Godesberg, 17.55 Uhr – Drachenfels, 18.00 Uhr – Bad Honnef/Rolandseck, Fähre Siebengebirge, 18.25 Uhr – Ankerplatz vor Rolandseck, 18.40 Uhr


Montag, 23. Mai 2011

Duisburg – Krefeld: Nach der Verladung geht die Reise weiter
Heute geht die Reise endlich weiter rheinaufwärts. Ein 65 Meter langer Schwimmponton der niederländischen Reederei Van der Wees macht hinter der JOHN T. ESSBERGER fest. Sein Schubschiff „Geertruida van der Wees“ (22 Meter) und der historische deutsche Schlepper „Rheinland“ (31 Meter) werden sie mit der Kraft ihrer je rund 1000 PS stromaufwärts bringen.

Der bestens gepflegte Oldtimer wurde 1929 in Lauenburg/Elbe gebaut. Heute ist er in Trechtingshausen bei Bingen zu Hause. Kapitän Hans Meisolle ist wie sein Schubschiff-Kollege Aart Vink erfahrener Rheinschiffer. Doch ein Seenotkreuzer ist auch für die beiden eine ganz besondere Fracht.

Wieder ist das Medieninteresse groß. Gegen halb Zwölf ist der Ponton eingerichtet, die Verladung beginnt. Wie bei den Probehüben läuft alles glatt. Um 11.53 Uhr berührt die JOHN T. ESSBERGER die Pallungen – das Tragegestell für die schwere Ladung. Die Transportexperten verzurren den Seenotkreuzer mit starken Ketten, bevor sie die Traversen-Tragegurte lockern und die großen Schäkel lösen.

Vormann Sven-Eric Carl und Maschinist Michael Moritz nehmen am Mittag als letzte Seenotretter Abschied von ihrem einstigen Schiff. Für beide beginnt nach kurzer Ruhepause wieder der Alltag auf der DGzRS-Station Großenbrode bei Fehmarn.

Um 17.26 Uhr steht auch das Tochterboot ELSA sicher auf dem Ponton. Kurze Zeit später folgt noch der am Freitag demontierte Mast. Um 19.17 Uhr verlässt der Schubverband den Duisburger Außenhafen. Wieder haben den ganzen Tag lang viele Hobbyfotografen ausgeharrt. Sie winken und wünschen „Gute Fahrt!“.

Auf der ersten Rheinbrücke, der „Brücke der Solidarität“ in Duisburg-Rheinhausen, ist es nicht anders. In Krefeld ist Schluss für heute. Sehr früh am nächsten Morgen soll es weitergehen.


Sonntag, 22. Mai 2011

Duisburg, Außenhafen: An Bord kehrt Stille ein

Um Überraschungen am Montag zu vermeiden, unternehmen die Transportexperten heute noch einen weiteren Probehub. Mit dem Tochterboot ELSA gehen wir auf eine allerletzte „Kontrollfahrt“: Die Tragegurte der Traversen sitzen sehr gut: wie vorausberechnet fast auf den Zentimeter genau an den Spanten 18 und 81, gut 25 Meter auseinander.

Letzte Vorbereitungen für die Verladung: Alles, was nicht unbedingt an Bord nötig ist, muss runter vom Schiff: Betriebsstoffreste wie Motoren- und Hydraulik-Öl pumpen wir in Spezialfässer. Alle beweglichen Teile – von der kleinsten Mutter über Schraubenschlüssel aller Größen bis zu Schubladen voller Ersatzteile – bringen wir von Bord. Sie werden auf dem Schwimmponton getrennt mitreisen.

Eintrag im Bordtagebuch: 15.17 Uhr Landstrom aus. Maschinist Michael Moritz, von allen nur Giovanni genannt, hat den entscheidenden Schalter umgelegt. Schlagartig wird es still an Bord der JOHN T. ESSBERGER, so still wie es in den letzten 36 Jahren nie gewesen ist.

Ein paar Minuten ist noch ein leises Rascheln zu hören: Als letzter räumt Vormann Sven-Eric Carl seine Kammer aus, bevor schließlich auch er von Bord geht – noch ein letzter Blick aufs Schiff, dann klettert er die 52 Stufen des Niedergangs an der Kaimauer hinauf.


Sonnabend, 21. Mai 2011

Duisburg, Außenhafen: erfolgreicher Probehub

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass ein Seenotkreuzer in Duisburg ist. Hobbyfotografen bevölkern die Ufer, Sportboote nehmen Kurs auf uns, die Hafenrundfahrtboote haben uns ins Programm aufgenommen. Offizieller Besuch: Der Havariekommissar kommt an Bord, um sich zu überzeugen, dass die Sicherheit während der Weiterreise gewährleistet ist.

Ohne Taucherhilfe geht es heute nicht: Die JOHN T. ESSBERGER soll mit zwei großen Traversen vorn und achtern schon mal zur Probe ein Stück angehoben werden. Ein Berufstaucher sorgt dafür, dass große Tragegurte exakt an den richtigen Punkten unter dem Kiel des Seenotkreuzers verlaufen. Er ist dabei praktisch blind: Die Sicht ist unter Wasser gleich Null, nur tastend kann er sich zurechtfinden.

Wegen des extremen Niedrigwassers im Rhein ist auch im Duisburger Außenhafen der Wasserstand stark abgesunken. Unter dem Heck der JOHN T. ESSBERGER sind es gerade einmal noch etwa zehn Zentimeter. Wir pumpen die kleine Menge des verbliebenen Brennstoffs von den achteren in die vorderen Tanks, um das Schiff optimal auszutrimmen. Außerdem muss ELSA raus. Beides zusammen reduziert unseren Tiefgang noch einmal um rund 20 Zentimeter.

Das genügt schließlich, damit der Seenotkreuzer problemlos in die Tragegurte der Traversen hineinfahren kann. Achtern sorgt ELSA getreu dem Motto „Der Kleine hilft dem Großen“ für die letzten Zentimeter des richtigen Sitzes in den Gurten.

Vier kurze Tauchgänge sind nötig, fast zwölf Stunden dauert es insgesamt mit allen begleitenden Arbeiten, bis der Taucher in seinem schweren Anzug das letzte Mal wieder an die Oberfläche kommt und den Daumen aus dem Wasser reckt: Die Tragegurte verlaufen bis auf wenige Zentimeter genau entlang der vorherbestimmten Schweißnähte in der Aluminiumhaut des Rumpfes.

Die Kräne der beiden Laufkatzen des Heavy Lift Terminals tauen an: Zentimeter für Zentimeter hebt sich der 44 Meter lange Seenotkreuzer aus dem Wasser. Die Digitalanzeige des Terminals verharrt bei 205 Tonnen – Probehub erfolgreich, Feierabend.


Freitag, 20. Mai 2011

Duisburg, Außenhafen: Demontage des Mastes

Heute wird sich das Aussehen der JOHN T. ESSBERGER stark verändern – vorübergehend. Um keine Probleme mit den Brückenhöhen auf dem Rhein zu bekommen, kappen die Spediteure kurzerhand den Mast. Zwar ist der obere Teil klappbar – entsprechend sind wir bereits durch die Niederlande und bis Duisburg gefahren –, doch das genügt nun nicht mehr, denn der Seenotkreuzer wird in der nächsten Woche stehend auf einem Schwimmponton weitertransportiert.

Zunächst klappen wir den Mast wieder hoch. Dann wird er komplett abgesägt, während der Fahrt wird er später auf dem Ponton neben dem Seenotkreuzer stehen. Ein paar Helfer aus dem Hafen warten gespannt auf den Funkenflug, als die Transportexperten an der Achterkante des oberen Fahrstandes die Flex ansetzen. Doch da blitzt und sprüht nichts: Denn die JOHN T. ESSBERGER ist wie alle Seenotkreuzer der DGzRS komplett aus Aluminium gefertigt. Es fallen lediglich graue Späne.

Das Medieninteresse ist groß. Über Mittag sind mehrere Fernsehsender, große Tageszeitungen der Region und eine Nachrichtenagentur auf unserem Schiff. Wieder beantworten wir viele Fragen nach gefahrvollen Einsätzen, aber auch nach dem Alltag an Bord. So langsam kommt auch bei uns ein wenig Wehmut auf, als wir gefragt werden, wie wir uns wohl morgen fühlen, wenn wir von Bord gehen.

Am Abend stehen die Zeichen unübersehbar auf Veränderung: Zwei große Traversen sind fertig und hängen im Kran des Heavy Lift Terminals. Alles ist für einen Probehub bereit.


Donnerstag, 19. Mai 2011

Duisburg Außenhafen
Abschied. Es wird gepackt, und bis auf Vormann und Maschinist reisen alle ab. Ein paar restliche Putzarbeiten stehen noch an, zum Beispiel der Kühlraum, der 36 Jahre lang die Vorräte für die Pantry beherbergt hat. Die Arbeit dauert nicht lange, denn auch hier hat die Besatzung stets alles blitzblank gehalten. 

Im Maschinenraum wird in das Kraftstoffsystem Prüföl gegeben, damit die Düsen nicht verkleben, alle beweglichen Teile werden mit einem Fluidfilm versehen. In den Turbolader wird Sprühöl gegeben. Alles wird so vorbereitet, dass eine längere Standzeit der Maschine nicht schadet.

Nachmittags bekommen wir Besuch von der Duisburger Feuerwehr. Das 33 Meter lange Feuerwehrboot legt vor uns an. Fachgespräche an Bord. Besonders unsere Feuerlöschanlage wird ausführlich begutachtet. Der letzte Einsatz ist nicht lange her: Am 9. Oktober 2010 war die JOHN T. ESSBERGER im Einsatz für eine brennende Fähre in der Ostsee.

Von jetzt an übernehmen die Spediteure. Die Kübler-Spedition hat heute in Speyer für unsere JOHN T. ESSBERGER bereits Platz gemacht. Das "Kelly-Boot" musste versetzt werden.
 


Mittwoch, 18. Mai 2011

Duisburg Außenhafen
Das Ausräumen der JOHN T. ESSBERGER hat angefangen. Kollegen von der Inspektion sind vor Ort, um elektronische Geräte auszubauen, die noch in der DGzRS-Flotte ihre Weiterverwendung finden werden, beispielsweise der AIS-Transponder.

Seitens des Museums werden weitere Arbeiten durchgeführt, um den Mast zu kürzen. Erst in Speyer wird er wieder aufgebaut werden. Mehrere niedrige Rheinbrücken machen diesen Schritt notwendig.

Ein Teil der Crew steigt heute bereits aus, es geht zurück nach Fehmarn auf Station zur Ablösung auf dem Seenotkreuzer BREMEN, der die JOHN T. ESSBERGER abgelöst hat.

 

Sie haben die JOHN T. ESSBERGER nach Duisburg gebracht:
Von links, vorne: Hans Bügge-Mau, Vormann Sven-Eric Carl, Michael Moritz, Uwe Teloy, Gerd Lemke (ehemaliger Vormann der JOHN T. ESSBERGER), hinten: Hergen Gloystein und Jan Kömm. Ganz rechts steht der Leiter des Technik Museums Speyer, Hermann Layher.
Foto: Margrit Elser-Haft


Dienstag, 17. Mai 2011

Nach Duisburg
Abreise nach Duisburg. Mit an Bord sind Mitarbeiter des „Technik Museums Speyer“, um den Weitertransport auf dem Lastenponton vorzubereiten.
Der Mast ist bereits geklappt. Die Kollegen des Technik Museums vermessen den Mastfuß, um eventuell weitere Maßnahmen für den Transport ab Duisburg vorzubereiten.

Kurz vor zehn Uhr passieren wir die niederländisch-deutsche Grenze.

Je näher wir unserem Zielort Duisburg kommen, desto mehr Fotografen entdecken wir: am Ufer, auf Fähren, auf Brücken. Unsere JOHN T. ESSBERGER zieht die Blicke auf sich.
Das werden die letzen Bilder sein, die unseren schönen Seenotkreuzer in Fahrt zeigen...

Am Heavy Lift Terminal im Duisburger Außenhafen ist unser Liegeplatz leider nicht mehr öffentlich zugänglich. Morgen gehen die Arbeiten an Bord weiter. Bevor der Seenotkreuzer auf den Lastenponton gehoben wird, ist noch viel zu tun.

Fotos: Webcam, Hanspeter Zabel und Daniel Kölsch (viele weiter Bilder unter Bilder/Videos)


Montag, 16. Mai 2011

Von Dordrecht nach Nijmegen, Niederlande
Um 15 Uhr legen wir in Dordrecht ab. Vorbei an Gorinchem und Tiel passieren wir mehrere Brücken. Nicht alle lassen sich unterfahren, so müssen wir an mehreren Stellen Wartezeit in Kauf nehmen, bis sie geöffnet werden und wir durchfahren können. In den Niederlanden ist es nicht ungewöhnlich, dass auch viel befahrene Straßen durch Klappbrücken unterbrochen werden. Der Autoverkehr hat sich nach der Öffnung zu gedulden, bis die Schiffe passiert haben.

Um 21.45 Uhr haben wir die fünfzig Seemeilen (gut 90 Kilometer) zurückgelegt und haben für die Nacht in Nijmegen an einem Liegeplatz im Maas-Waal-Kanal festgemacht.

Inzwischen steht fest, dass sich die logistischen Vorbereitungen zur Verladung auf den Spezialponton in Duisburg verzögern werden. Die notwendigen Arbeiten am Mast sind in Duisburg deshalb auf das Wochenende verschoben worden.


Sonntag, 15. Mai 2011

Dordrecht, Niederlande
Der Wasserstand des Rheins ist weiterhin extrem niedrig. Für die Rheinpassage werden zusätzliche Vorbereitungen getroffen. Um noch mehr Gewicht einzusparen und damit den Tiefgang um zusätzliche Zentimeter zu verringern, nehmen wir weitere Ausrüstungsgegenstände von Bord. Im Binnenland benötigen wir nicht alle Schleppleinen und Tauchpumpen. Sie werden auf dem Landweg ins Museum nach Speyer gebracht. Kraftstoff wird in den Tanks umgepumpt, um die Gewichtsverteilung zu optimieren.

Mitarbeiter des „Technik Museums Speyer“ bringen unterdessen die „blaue Tafel“ am Schiff an. Die blaue Tafel ist ein wichtiges Signal bei Schiffsbegegnungen. In der Regel begegnen sich die Schiffe Backbordseite an Backbordseite. Ist jedoch aus Tiefgangs- oder Strömungsgründen notwendig, dass ein Schiff die Seite wechselt, so dass der Entgegenkommende an der Steuerbordseite passieren soll, dient die blaue Tafel als entsprechendes Signal.

Vielerorts ist auf dem Rhein allerdings in der „Rheinschifffahrtspolizeiverordnung“ gesetzlich geregelt, auf welcher Seite die Schiffe fahren dürfen.

„Bergfahrer“ werden übrigens die stromaufwährts fahrenden Schiffe genannt, „Talfahrer“ sind die stromabwärts fahrenden.


Sonnabend, 14. Mai 2011

Niederlande. Bei Hoek van Holland in den Rhein
In der Nacht haben wir den Schifffahrtsweg entlang der niederländischen Inseln passiert: Vorbei an Schiermonnikoog, Ameland, Terschelling, Vlieland und Texel geht der Kurs schließlich nach Südwest.
Am Kap bei Hoek van Holland beginnt die Fahrt auf dem Rhein.
Eintrag in Bordtagebuch um 09.25 Uhr: „Mole passiert. JOHN T. ESSBERGER verlässt für immer die See.“

Die Strecke bis Rotterdam ist gesäumt von Industrie- und Hafenanlagen. Wir laufen noch 28 Seemeilen weiter an Rotterdam vorbei bis Dordrecht, wo wir um 12.30 Uhr festmachen.
Den Sonntag über werden wir hier liegen. 

Foto am Liegeplatz mit niederländischer Gastlandflagge: Frans Heinsbroek


Freitag, 13. Mai 2011

Ab Helgoland
Vormittags verholen wir von unserem Liegeplatz an der Hafenkaje und gehen neben der HERMANN MARWEDE längsseits. Obwohl der auf Helgoland stationierte Seenotkreuzer nur zwei Meter länger ist, als die JOHN T. ESSBERGER, ist der Größenunterschied enorm.

Die HERMANN MARWEDE ist über zwei Meter breiter und verfügt über ein zusätzliches Deck, auf dem ein Mehrzweckraum und das Bordhospital untergebracht sind.
Die 44-Meter-Klasse hat eine Verdrängung von 185 Tonnen im Vergleich zu den 404 Tonnen des größten DGzRS-Seenotkreuzers.

Gegen 14 Uhr laufen wir aus. 235 Seemeilen (ca. 440 Kilometer) bis Rotterdam.

Foto auslaufend Helgoland: Webcam www.rickmers-online.de


Donnerstag, 12. Mai 2011

Von Bremerhaven nach Helgoland
Der Rhein führt immer noch extrem wenig Wasser. Zwischen dem „Technik Museum Speyer“, der Kübler-Spedition, die den Transport ab Duisburg begleitet, und der JOHN T. ESSBERGER gibt es weitere Beratungen. Wir müssen mit möglichst wenig Treibstoff in den Tanks in den Rhein. Die Menge soll so genau wie möglich abgepasst werden.

Um 11 Uhr verlassen wir den Museumshafen vor dem Deutschen Schiffahrtsmuseum, passieren die Brücken und legen uns in den Neuen Hafen, um Altöl und Schaummittel aus dem Feuerlöschtank fachgerecht zu entsorgen. Ausrüstungsgegenstände, die wir jetzt nicht mehr benötigen, werden an Land gegeben. Jeder Zentimeter, den wir beim Tiefgang einsparen können, zählt. Allein die Schaummittelvorräte, die für Brandeinsätze vorgehalten wurden, betragen zwei Kubikmeter..

Die niederländischen Seekarten sind an Bord. Zum Fahren verwenden wir die elektronische Seekarte, aber Papierkarten als „Backup“ sind notwendiger Ausrüstungsgegenstand. Jedes elektronische Gerät kann einmal ausfallen - sogar an Bord eines Seenotkreuzers.
Gegen 14.15 Uhr passieren wir die Schleuse und laufen endgültig aus. Unser neues Ziel ist Helgoland. Der Terminplan erlaubt noch einen Zwischenstopp.

Gegen 18.40 Uhr Leinen fest auf Deutschlands einziger Hochseeinsel, Station des 46 Meter langen Seenotkreuzers HERMANN MARWEDE. Das Revier ist uns bestens vertraut. Anfang 2009 hat die JOHN T. ESSBERGER hier für einige Wochen Dienst getan, als die HERMANN MARWEDE zur turnusmässigen Generalinspektion in der Werft lag.

Unsere Webcam-Bilder „eingefangen“ von Wolfgang Agatter. Die JOHN T. ESSBERGER am Horizont im Schifffahrtsweg vor Wangerooge hat Arne Diers festhalten können.


Mittwoch, 11. Mai 2011

Open Ship in Bremerhaven
Von 10 Uhr bis 18 Uhr ist Open Ship. Viele Menschen aus der Region nutzen die Gelegenheit, die JOHN T. ESSBERGER noch einmal zu besuchen.

Besonderes Interesse findet wie immer der Maschinenraum. Die drei Motoren haben eine Gesamtleistung von 7200 PS - 1350 PS je Seitenmaschine und 4500 PS für die Mittelmaschine, die auch die Feuerlöschpumpe angetrieben hat. Alles sieht immer noch tiptop aus, aber „die Hebel auf den Tisch legen“* werden wir nicht mehr. 36 Jahre im harten Seenotrettungsdienst haben ihre Spuren hinterlassen…

Wir bekommen mehrere augenzwinkernde Hinweise, ob wir „schief“ liegen. So sieht es jedenfalls auf der Webseite aus. Abends klettert ein Besatzungsmitglied in den Mast, um die Webkamera wieder auszurichten.



*unter Höchstgeschwindigkeit fahren

Fotos: Klaus Westermann (6)


Dienstag, 10. Mai 2011

Der offizielle Flaggenwechsel
Im Museumshafen des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven fand heute der Flaggenwechsel statt. Der Übereignungs-Vertrag wurde von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und dem „Technik Museum Speyer“ bereits im Mai 2010 in Lübeck-Travemünde an Bord des Seenotkreuzers unterzeichnet.

Der offizielle Flaggenwechsel wurde heute um 14 Uhr vollzogen. Ingo Kramer vom DGzRS-Vorstand übergab die JOHN T. ESSBERGER offiziell an Museumsleiter Hermann Layher. Die DGzRS-Flagge wurde niedergeholt, die Flagge vom „Technik Museum Speyer“ wurde gehisst.

Bei einer Tasse Kaffee in der Messe wird der weitere Verlauf der Reise noch einmal aktualisiert. Das „Technik Museum Speyer“ hat die Verladung in Duisburg auf einen Lastenponton vorbereitet. Der Wasserstand des Rheins ist jedoch an vielen Orten inzwischen auf historischem Tiefstand. Täglich werden Pegelstände geprüft und Wetterkarten gelesen. Regen wäre jetzt gut.
Am Abend veranstaltet das Deutsche Schiffahrtsmuseum einen kleinen Empfang – ein Abschiedsgruß für unseren Seenotkreuzer, der seit heute auch offiziell ein Museumsschiff ist.

 


Montag, 9. Mai 2011

Von Hamburg nach Bremerhaven
Um acht Uhr legen wir ab. Viele Kommandos sind nicht nötig: Die sechs Besatzungsmitglieder sind ein eingespieltes Team. Mit an Bord sind auch einige Pressevertreter, die aktuell über die letzte Fahrt der JOHN T. ESSBERGER berichten.

Eigentlich hätten alle Seenotretter aus Großenbrode gern „ihre JOHN T.“ auf dieser letzten Fahrt begleitet. Der andere Teil der Mannschaft ist auf Wache auf dem Seenotkreuzer BREMEN, der die JOHN T. ESSBERGER in Großenbrode abgelöst hat.

Die Elbe ist ein Tidenstrom, dass heißt, dass sich Ebbe und Flut deutlich bemerkbar machen. Wir haben nach Hochwasser, also dem höchsten Wasserstand, abgelegt, jetzt herrscht Ebbe. Der Strom des ablaufenden Wassers zieht uns mit die Elbe hinunter. Das spart Treibstoff.

In Cuxhaven machen wir um 12.20 Uhr einen kurzen Zwischenstopp, um auch hier noch ein paar Journalisten und ein Film-Team an Bord zu nehmen. Anlegen, Gangway raus, Journalisten an Bord, Gangway rein, weiter geht’s. Während dieser Zeit liegen wir kurz am Helgoland-Anleger. Um 12.50 Uhr legen wir wieder ab. Der Seenotkreuzer HERMANN HELMS von der Station Cuxhaven verabschiedet uns mit Fontänen von 36.000 Liter Seewasser pro Minute aus den Feuerlöschmonitoren. „Tschüss, JOHN T. ESSBERGER!“, kommt es über den Funk.
Am Containerterminal 4 a in Bremerhaven kommt uns dann die HERMANN RUDOLF MEYER entgegen und begleitet uns bis zur neuen Schleuse. Mit unseren 44 Metern passen wir gerade so eben hinein.
Gegen 17 Uhr machen wir im Neuen Hafen für die Nacht fest.


Sonntag, den 8. Mai 2011

Große Auslaufparade beim Hamburger Hafengeburtstag
Frischer Wind und strahlender Sonnenschein bei über 25 Grad lockte viele Gäste auf den Hamburger Hafengeburtstag. Insgesamt sollen 1,5 Millionen Besucher zu Gast gewesen sein, und es fühlte sich an, als ob jeder einzelne die JOHN T. ESSBERGER besucht hat. Unser Seenotkreuzer war einer der großen Anziehungspunkte bei den Open-Ship-Terminen, und wir haben uns über das große Interesse sehr gefreut.

Besatzung und Ehrenamtliche standen für Fragen zur Verfügung, und zu unserer großen Freude war eine der häufigsten Fragen. „Warum stellt Ihr ein Schiff außer Dienst, das noch aussieht wie neu?“
Wartung und Pflege des Seenotkreuzers gehören für jeden Seenotretter zum Arbeitsalltag. Schwachstellen lassen sich so frühzeitig erkennen und beheben, kleinere Reparaturen werden direkt an Bord durchgeführt. Alle drei bis vier Jahre gehen die Seenotrettungsboote und Seenotkreuzer der DGzRS zur Rundum-Überholung in die Werft. Die Besatzung muss ihrem Schiff an 365 Tagen im Jahr auch im harten Sturmeinsatz vertrauen können. So lange die technische Nachrüstung wirtschaftlich ist, bleiben die Einheiten in der Flotte. Dadurch können sich die Spender darauf verlassen, das mit ihrem Geld sorgfältig umgegangen wird.

Bei der Auslaufparade nachmittags laufen wir direkt hinter der „Queen Mary 2“, dem über 340 Meter langen Kreuzfahrtschiff. Daneben sieht sogar die JOHN T. ESSBERGER klein aus.


Sonnabend, den 7. Mai 2011

Hamburger Hafengeburtstag. Wir haben vormittags und nachmittags Open Ship an der Überseebrücke.


Freitag, den 6. Mai 2011

Die offizielle Eröffnung des 822. Hamburger Hafengeburtstages beginnt nachmittags mit der Einlaufparade. Schon am Vormittag beginnen die Vorbereitungen auf den Schiffen. Wir "flaggen über alle Toppen", das heißt, alle Signalflaggen werden vom Bug über die Masttoppen bis an das Heck gespannt. Mit diesem Seemannsbrauch werden besondere Feste oder Festtage begangen.
Durch einen Glockenschlag auf dem Museumsschiff "Rickmer Rickmers", ausgeführt durch den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg Olaf Scholz in Begleitung des norwegischen Kronprinzen Haakon, beginnt die Einlaufparade. Norwegen ist in diesem Jahr Partnerland des Hafengeburtstages.

An erster Stelle läuft zu Ehren des norwegischen Kronprinzen die norwegische Fregatte "Otto Sverdrup" und direkt dahinter die JOHN T. ESSBERGER. Wir freuen uns, auf der letzten Reise der JOHN T. ESSBERGER diesen zweiten Platz bei der Parade einnehmen zu dürfen.
Es sollen über 330 Schiffe auf sechs Kilometern sein, die sich für die Parade eingefunden haben.

Fotos (7) Peter Neumann, www.ypscollection.de; (2) Webcam,
(1) Klaus Westermann, www.klauswestermann.de


Donnerstag, den 5. Mai

Vorbereitungen zum Hamburger Hafengeburtstag
Wir bekommen einen neuen Liegeplatz zugewiesen, bleiben aber an der Überseebrücke. Vor uns liegt die „Cap San Diego“. Das legendäre Museumschiff wurde 1961 für die bekannte Reederei Hamburg Süd gebaut und fuhr im Liniendienst zwischen Europa und Südamerika. Es wird mit uns auch an der Einlaufparade morgen teilnehmen. Gegenüber macht die „Seacloud“ fest.
Noch ist es ruhig, auch wenn bereits jetzt überall für den Hamburger Hafengeburtstag Stände und Buden aufgebaut werden.
Nachmittags Besuch an Bord: Die Fotoredakteure für diese Website. Wenn wir am Rhein sind, können alle, die uns mit dem Fotoapparat „erwischen“, ihre Bilder hier einschicken. Die beiden Profifotografen werden auswählen, welche Fotomotive ins Logbuch kommen. Es stellt sich heraus, dass Fotograf Klaus Westermann zum zweiten Mal in seinem Leben auf einem Seenotkreuzer ist – das erste Mal war er als Kind 1975 ebenfalls auf der JOHN T. ESSBERGER. Er erinnert sich sogar an den Maschinenraum, der ihn schon damals sehr beeindruckt hat.
Von der Crew geht noch jemand einkaufen im Hafen. Auch eine niederländische Flagge steht auf dem Zettel, als Gastlandflagge für die Niederlande. Nächste Woche werden wir über Rotterdam (Niederlande) in den Rhein fahren. Diese Flagge haben wir in unserem bisherigen Einsatzgebiet rund um Fehmarn in der Ostsee nicht gebraucht. Es ist gute Seemannstradition, die Flagge des Landes zu hissen, in das man einläuft.


Mittwoch, den 4. Mai 2011

Liegen in Hamburg an der Überseebrücke am Ostponton bis zum Sonntag. In den nächsten Tagen haben wir stundenweise Open Ship. Montag geht es wieder nach See.


Dienstag, den 3. Mai 2011

Von Brunsbüttel nach Hamburg
Ausschleusen Brunsbüttel um ca. 10 Uhr: Die Nordsee unter dem Kiel der JOHN T. ESSBERGER.
In der Elbmündung erwartet uns ruhiges Wetter. Der Wind weht mit zwei bis drei Beaufort (ca. 10 km/h). Wir laufen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 Knoten (1 kn = 1,852 km), ab der Landesgrenze Hamburg sind nur noch zehn Knoten Höchstgeschwindigkeit erlaubt. Auf der Elbe mässiger Schiffsverkehr.
Wir passieren das Schulauer Fährhaus gegen Mittag. Es ist Tradition, dass hier an der Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft in Wedel die großen Schiffe mit ihrer Nationalhymne begrüßt oder verabschiedet werden.
Unser Liegeplatz ist bereits angemeldet. Im Hamburger Hafen machen wir kurz vor 15 Uhr nach 41 Seemeilen an der Überseebrücke außen am Ostponton fest. Morgen verholen wir noch einmal. In den nächsten Tagen wird es hier voll werden – der Hamburger Hafengeburtstag steht bevor.
In der Wachbesprechung teilen wir den Dienst ein. Auch im Hafen gehen wir 24-h-Wache.
Haben kurz Besuch an Bord: Ein ehemaliges Besatzungsmitglied hat uns zufällig im Hafen entdeckt und traut seinen Augen nicht. Er ist inzwischen im Ausland tätig und nur für den Hafengeburtstag hier.
Später bei Stillwasser (geringste Strömung, wenn der Gezeitenstrom sich umkehrt) kleines Verholmanöver, so dass wir jetzt mit der Backbordseite am Steg liegen. Passt besser mit der Gangway.


Montag, den 2. Mai 2011

Heute morgen verlässt die JOHN T. ESSBERGER endgültig ihre Station Großenbrode: Kurs Technik Museum Speyer - zum letzten und endgültigen Liegeplatz.

Bevor sie ablegt, ist noch eine kleine Aktion nötig: Die Gangway wird für den Seenotkreuzer BREMEN, der die Station übernimmt, angepasst. Mit dem Kran der JOHN T. ESSBERGER wird das bewegliche Stück der Gangway auf die Kaimauer gestellt. Es wird in Kürze für die BREMEN angepasst werden.

Gestern, am Sonntag, den 1. Mai, hat sich ein großer Teil der Besatzung getroffen. Es waren viele „Ehemalige“ dabei – beinahe 50 Mann waren zusammengekommen und haben ein letztes Mal die JOHN T. ESSBERGER auf ihrer Station besucht.

Die Station Großenbrode ist natürlich trotzdem einsatzbereit: Der Seenotkreuzer BREMEN, der bisher in Grömitz stationiert war, hat hier bereits den Dienst aufgenommen. In Grömitz liegt jetzt die HANS HACKMACK, die bislang in Büsum an der Nordsee im Einsatz war. In Büsum hat ein neuer Seenotkreuzer der neuen 20-Meter-Klasse den Dienst aufgenommen. Noch ist das Schiff nicht getauft und läuft unter der internen Registernummer SK 33.

Wir gehen davon aus, dass wir ungefähr um 08.00 Uhr heute morgen auslaufen. Die erste Etappe der Reise geht bis zur Schleuse Kiel-Holtenau an die östliche Einfahrt am Nordostseekanal.

Die letzte Nacht in Großenbrode - siehe Foto:


Brunsbüttel | Exakt 100 Seemeilen hat die JOHN T. ESSBERGER zurückgelegt.
Der Seenotkreuzer BREMEN begleitete das Schiff ein Stück, kurz hinter der Fehmarnsund-Brücke ein letztes Winken. Abschied vom Revier.
In Kiel-Holtenau gibt es eine nette Begegnung. Viele Fotografen haben sich eingefunden, um zu dokumentieren, wie die JOHN T. ESSBERGER für alle Zeiten die Ostsee verlässt. Einer davon begleitet unseren Seenotkreuzer inzwischen seit 36 Jahren. Er selbst wurde 1975 geboren und gehörte zu den ersten Besuchern auf der Station Großenbrode. Damals lag er noch im Kinderwagen.


Für den Nordostseekanal wird die blau-weiß-karierte Flagge N, die „Freifahrerflagge“, gehisst – das heißt, das Schiff benötigt keinen Lotsen. 98 Kilometer durch die wohl am meisten befahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Pro Tag passieren weit über 100 Schiffe den NOK, Sportboote nicht eingerechnet.
Insgesamt überspannen zehn Brücken den Kanal. Die Durchfahrtshöhe ist mindestens 40 Meter.
Vor Brunsbüttel wird übernachtet, abgelegt wird wieder gegen 09.30 Uhr. Nach der Schleusung geht es die Elbe rauf Richtung Hamburg.

Galerie öffnen durch Klicken ins Bild.